Warum CardLink relevant ist?

CardLink erlaubt die PIN-freie Authentifizierung der eGK über NFC-Smartphones und ermöglicht dadurch eine einfache, vollständig digitale E-Rezept-Einlösung ohne Apothekenbesuch.

Introduction

Deutschland arbeitet seit Jahren daran, das Gesundheitswesen zu digitalisieren. Seit dem 1. Januar 2024 müssen alle von Ärztinnen und Ärzten verordneten Medikamente digital verschrieben werden (wobei zu beachten ist, dass einige Arten von Rezepten weiterhin in Papierform ausgestellt werden müssen). Der Digitalisierungsprozess erstreckt sich auch auf andere Bereiche des Gesundheitswesens, etwa elektronische Patientenakten, Telekonsultationen und den Informationsaustausch zwischen Fachärztinnen und Fachärzten.

Gegen Ende des vergangenen Jahres kündigte die Gematik, die für die Steuerung des Gesamtprozesses verantwortlich ist, die Veröffentlichung der Spezifikation für eine Technologie namens CardLink an.

Am 19. März 2025 wurde die lang erwartete Spezifikation schließlich veröffentlicht und ist unter diesem Link verfügbar.

Diese Technologie ermöglicht die Nutzung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) über ein Smartphone mit NFC-Modul. Das bedeutet, dass Patientinnen und Patienten ihre digitalen Rezepte verwalten können, indem sie ihr Smartphone einfach an die Karte halten.

Doch CardLink kann weit mehr als nur die Verwaltung digitaler Rezepte ermöglichen.

Das eRezept in Deutschland

In diesem Artikel haben wir erklärt, wie E-Rezepte in Deutschland funktionieren. Ebenso haben wir in diesem Artikel die Schwierigkeiten beleuchtet, die aus einem solchen System entstehen. Fassen wir kurz zusammen.

In Deutschland werden eRezepte digital in Verordnungssoftware und Praxisverwaltungssystemen (PVS) erstellt und mit einem ärztlichen Zertifikat signiert. Anschließend werden sie sicher an ein zentrales System übermittelt. Es gibt drei Möglichkeiten, ein eRezept einzulösen:

  • Über eine von der Gematik bereitgestellte Smartphone-App kann die Patientin oder der Patient eine Apotheke auswählen, die die Bestellung bearbeitet.
  • Auf Wunsch kann die Ärztin oder der Arzt einen Papierausdruck mit einem speziellen Data-Matrix-Code ausstellen, der anschließend von der Smartphone-App einer bestimmten Apotheke (z. B. einer Versandapotheke) eingelesen werden kann.
  • Alternativ können Patientinnen und Patienten ihre elektronische Gesundheitskarte (eGK) verwenden, um ihre Medikamente abzuholen. Dazu müssen sie persönlich in der Apotheke erscheinen und die Karte in ein Lesegerät stecken, wodurch die Apotheke Zugriff auf die im zentralen System gespeicherten Rezepte erhält.

Nachdem das Medikament abgegeben wurde, wird im zentralen System ein Dokument signiert, das anschließend zur Abrechnung mit der Krankenkasse genutzt werden kann.

Wo liegt das Problem?

Der beliebteste und bequemste Weg, ein Rezept einzulösen, ist die direkte Nutzung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) in der Apotheke. Diese Option ist seit Juli 2023 verfügbar. Schwierigkeiten entstehen jedoch dann, wenn Patientinnen und Patienten nicht in der Lage sind, die Apotheke persönlich aufzusuchen.

Um das Problem der notwendigen physischen Anwesenheit zu umgehen, können Patientinnen und Patienten theoretisch die eRezept-App der Gematik nutzen und eine Versandapotheke auswählen. Die App hat jedoch schlechte Bewertungen und vergleichsweise wenige Downloads (zum Zeitpunkt des Schreibens 2,2/5), was bei vielen Nutzerinnen und Nutzern Bedenken auslöst. Zusätzlich müssen Patientinnen und Patienten bei ihrer Krankenkasse eine PIN anfordern, um die Karte nutzen zu können, was ebenfalls Hürden mit sich bringt.

Mögliche Lösung

Eine mögliche Lösung könnten von Apotheken selbst entwickelte Anwendungen sein. Solche Apps ermöglichen es, ein eRezept auf Basis eines Data-Matrix-Tokens einzulösen, das von der Ärztin oder dem Arzt ausgestellt wird. Die Nutzerin oder der Nutzer scannt den Code, und die App erlaubt anschließend den Kauf des entsprechenden Medikaments. Ärztinnen und Ärzte drucken eRezepte jedoch nicht standardmäßig aus (was auch dem Sinn des eRezepts widersprechen würde), sondern nur auf ausdrücklichen Wunsch der Patientin oder des Patienten.

Mit anderen Worten: Es fehlt eine vollständig digitale und zugleich komfortable Möglichkeit, eRezepte einzulösen.

Aus Sicht der Patientinnen und Patienten wäre es deutlich bequemer, wenn Apotheken selbst über eine Technologie verfügen würden, mit der sich eRezepte direkt über das Smartphone auslesen lassen, ohne auf einen Data-Matrix-Token oder eine PIN angewiesen zu sein. Diese Lösung könnten Apotheken dann in ihre eigenen mobilen Apps oder Websites integrieren.

Dies wäre insbesondere für Menschen mit Einschränkungen, die eine Apotheke nur schwer persönlich aufsuchen können, eine große Erleichterung und würde es ihnen ermöglichen, Rezepte vollständig online einzulösen.

Von einer solchen Lösung würden nicht nur Versandapotheken profitieren, sondern auch lokale Apotheken, die den Vorteil haben, Medikamente häufig noch am selben Tag bereitstellen zu können.

Aus diesem Grund entschied sich die Gematik, eine Spezifikation für die CardLink-Technologie zu entwickeln und zu veröffentlichen, die eine komfortable und vollständig digitale Einlösung von eRezepten ermöglicht.

Was ist CardLink?

Das Health-CardLink-System (eH-CL) sorgt für eine sichere Verbindung zwischen Client und Konnektor und dient als Gateway zwischen beiden. Mit eH-CL ist es möglich, ein mobiles Endgerät mit NFC-Modul als Teil der Telematikinfrastruktur (TI) zu nutzen, um eine elektronische Gesundheitskarte (eGK) zu autorisieren – ohne die Eingabe einer PIN. Dadurch wird die Kommunikation zwischen verschiedenen Übertragungsprotokollen erleichtert.

Im Rahmen dieses Prozesses verbindet sich die App der Patientin oder des Patienten mit der Apotheke, welche anschließend über den Konnektor die eGK verifiziert und auf die eRezepte zugreift.

Einfach ausgedrückt ermöglicht die CardLink-Technologie Patientinnen und Patienten, ihre elektronische Gesundheitskarte (eGK) in der jeweiligen eRezept-Anzeige- und Einlöse-App zu nutzen, ohne eine PIN eingeben zu müssen.

Die Karte muss nicht mehr in ein stationäres Terminal gesteckt werden, sondern wird lediglich an ein Smartphone mit NFC-Modul gehalten. Das Gerät in der lokalen oder der Versandapotheke liest daraufhin die relevanten Patientendaten vom Gematik-Server aus, und das Rezept kann eingelöst werden.

CardLink vereinfacht und erleichtert damit den gesamten Prozess der eRezept-Einlösung erheblich.

Bereits heute weisen die meisten Versandapotheken wie DocMorris oder Gesund.de auf ihren Websites darauf hin, dass eRezepte derzeit per QR-Code eingelöst werden können, künftig jedoch auch die Einlösung über die elektronische Gesundheitskarte möglich sein wird.

Die Zukunft

Der Einsatz dieser Technologie beschränkt sich jedoch nicht auf das eRezept – sie kann auch andere Probleme lösen.

Ein Beispiel:

  • Wenn eine Patientin oder ein Patient im laufenden Quartal nicht in der Praxis war und die Gesundheitskarte nicht eingelesen wurde, kann die Ärztin oder der Arzt kein eRezept ausstellen. Dies ist nur möglich, wenn die Patientin oder der Patient persönlich in der Praxis erscheint und die Karte „eincheckt“. Der CardLink-Prozess könnte hier einen echten Mehrwert bieten, indem dieser Vorgang vollständig aus der Ferne durchgeführt wird.
  • Die Technologie könnte zudem für Videosprechstunden oder Hausbesuche genutzt werden. Im Rahmen der Telemedizin könnte das Vorhalten der Karte an ein Smartphone den Zugriff auf elektronische Patientenakten autorisieren. Gleichzeitig wäre dies Voraussetzung für die Abrechnung der Leistung mit der Krankenkasse.

Nach Angaben der Entwickler laufen bereits Gespräche mit Softwareanbietern für Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen und Krankenkassen, um die CardLink-Technologie weiterzuentwickeln.

Insgesamt stellt die CardLink-Technologie der Gematik einen Meilenstein in der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens dar. Durch die Kombination der Vorteile des eRezepts mit der Einfachheit der NFC-Technologie wird CardLink voraussichtlich das Patientenerlebnis grundlegend verändern und die Gesundheitsversorgung verbessern.

Während Deutschland seine digitalen Gesundheitslösungen weiter ausbaut, erscheint die Zukunft des Gesundheitswesens zunehmend vielversprechend.

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